Die Energiewende kommt ins Dorf

Vollversorgung aus EE

Die Grundidee hinter dem „Forschungs- und Entwicklungsprojekt zur Verstetigung von Windenergie“ ist gleichzeitig das zentrale Leitbild der Energiewende, nämlich Strom verbrauchsnah zu erzeugen und die regional erzeugte Windenergie als auch den Überschussstrom aus der Windkraft lokal nutzbar zu machen. Jedoch ist das Produktionsaufkommen der Windkraft allein sehr stochastisch, also schwer prognostizierbar und infolge schwer steuerbar. Bei detaillierter zeitlicher Betrachtung zeigen sich sowohl Szenarien mit hohen Überschüssen aus Windenergie, als auch Szenarien hoher Stromnachfrage, die aus Windenergie ungedeckt bleibt.

Mit dem Forschungs- & Entwicklungsprojekt clean energy conversion zur Verstetigung von Windenergie sieht sich die Agrowea als ein Wegbereiter der Energiewende im Emsland. Wir haben im Vergleich zu anderen Windparkplanern und -betreibern früh erkannt, dass ein erfolgreicher Energieproduzent mittelfristig auch ein verlässlicher Energieversorger in einer Industrienation sein muss. 

Dementsprechend setzt die Agrowea mit dem Bürgerwindpark Fehndorf–Lindloh, der mit einem Speicherfeld verbunden wird, auch in punkto regionaler Energieversorgung und Sektorkopplung neue Standards.

Eine gesicherte Energieversorgung aus Erneuerbaren Energien wird mit Blick auf eine notwendige CO₂ - Bepreisung zur Erreichung der Klimaziele zunehmend ein wichtiger Wirtschaftsfaktor sein.

Christoph Pieper, Projektleiter

Das cec-Projekt soll exemplarisch zeigen, wie Sektorenkopplung organisiert werden kann

Im Jahr 2014 konnte sich Haren an 45 Prozent der Viertelstunden des Jahres bilanziell vollständig mit grünem Strom versorgen. 


2014 fand eine vollständige Selbstversorgung der Stadt Haren (Ems) mit grünem Strom in 45 % der Viertelstunden eines Jahres statt (Strombereitstellung im Jahresmittel: 115%)

Um diese Zahl zu steigern, kommt zum einen der geplante Windpark Fehndorf/ Lindloh mit seinen berechneten 180.000 MWh/a zum Einsatz und steigert damit die Selbstversorgung der Stadt auf 68 Prozent der Jahresviertelstunden.

Durch den neuen Windpark kann der Anteil der selbstversorgten Viertelstunden deutlich gesteigert werden: Von 49 % auf 68 % (Strombereitstellung im Jahresmittel 210 %)

Zum anderen werden zwei Speichereinheiten für die Verstetigung von Überschussstrom sorgen, also dem Produktionsaufkommen aus der Windkraft, der die Nachfrage übersteigt. Ein Batteriespeicher aus Lithium-Ionen-Batterien mit 2 MW Leistung und einer Kapazität von 4 MWh soll für das kurzfristige Abfangen von Leistungsspitzen und -senken sorgen und somit die Einspeisung des Parks ins Netz verstetigen. Außerdem soll ein Elektrolyseur mit 4 MW Leistung über die kurzfristige Speicherung hinaus Stromüberschüsse in Wasserstoff umwandeln und ins Erdgasnetz einspeisen. Ein Energiemanagementsystem optimiert die Speicherung für die Eigenversorgung Harens.

Sektoren­kopplung

Wind macht mobil

Wind macht mobil

Weiterhin wird in dem „Forschungs- u. Entwicklungsprojektes zur Verstetigung von Windenergie“ die Übertragung von Stromüberschüssen in andere Sektoren, wie den Wärme- oder Verkehrssektor untersucht. Die Möglichkeiten diese beiden Sektoren aus erneuerbaren Energiequellen zu versorgen sind begrenzt. Mit Ausnahme von  Biomasse und Solarthermie stehen erneuerbare Energien hauptsächlich als elektrische Energie zur Verfügung, produziert durch Windkraft und Photovoltaik, weshalb eine Übertragung von Stromüberschüssen in Zukunft notwendig wird. So können bei entsprechenden Betriebssituationen Stromspitzen gekappt und Engpässe im Stromnetz vermieden werden.